Mit Volldampf in die Saison
Von Spanien via Algarve zurück in die Schweiz
Wer meint, dass Andalusien und die Algarve ein Garant sind für schönes Wetter, der irrt sich. Nachdem wir unterdessen fünf Mal die Wintermonate im Süden Europas verbracht haben, wurde der neuste Aufenthalt wettertechnisch eher zu einem Desaster. Von Wind und Regen bis hin zu einem Tornado, welcher quer über unseren Campingplatz fegte, war alles dabei. Das machte auch die ganze Trainingsgestaltung eher mühsam. Läufe im knöcheltiefen Wasser und viel Zeit auf dem Smarttrainer waren leider an der Tagesordnung.
Im gleichen Stil ging es im Februar in Albufeira an der algarvischen Küste weiter. Immerhin hatten wir dort ein Appartement, was das Ganze etwas erträglicher machte. Gross profitieren von schönen Ausfahrten durch das portugiesische Hinterland konnte ich leider nicht. Regen und Wind waren oft so stark, dass nicht einmal ein Rollentraining auf dem Balkon möglich war. So musste ich gezwungenermassen auf die längeren Bikesessions verzichten und mir stattdessen alternative Möglichkeiten basteln – man ist ja flexibel.
Ein riesengrosser Aufsteller in dieser Zeit war jedoch der Gewinn des Titels «Duathlet des Jahres 2025». In der Hoffnung diese Auszeichnung zu holen flog ich Mitte Januar kurzerhand zurück in die Schweiz um an der Night of Duathlon dabei sein zu können.
Gemeinsam mit den Vereinskollegen von Triathlon Oberwallis durfte ich mich über die Auszeichnung freuen.
Semi-Marathon de Cortaillod
Ein erster Formcheck sollte, wie in den letzten Jahren auch schon, ein Halbmarathon sein. Im Hinterkopf hatte ich die Schallmauer von 70min, welche nun endlich durchbrochen werden sollte. Mit dem Semi-Marathon de Cortaillod fand ich zwar keinen ultraschnellen, dafür eine umso schöneren Anlass in der Region. Nachdem es mich im Februar kurzerhand noch mit einem Magendarm-Virus flachgelegt hatte, konnte ich glücklicherweise trotzdem noch rechtzeitig eine anständige Laufform aufbauen.
Cortaillod stellte auch für einige meiner Athleten den Saisonauftakt dar, und so standen wir mit insgesamt 10 Athlet/innen am Neuenburgersee am Start. Bereits dieser Umstand stellte für mich ein kleines Highlight dar.
Mit dem Neuenburger Antoine Grisel und dem Franzosen Ludovic Bailly Basin standen zwei starke Laufspezialisten am Start. So sprachen wir uns zu dritt kurz vor dem Start noch ab und stellten uns auf eine gemeinsame Spitzengruppe ein. Grisel kannte ich bereits vom Inserlauf vom letzten Sommer. Dort lieferten wir uns ein Duell um den Tagessieg, bei welchem ich schlussendlich knapp die Nase vorne hatte.
Bei perfekten frühlingshaften Bedingungen wurden wir um 10 Uhr, gemeinsam mit den 10km-Läufern, auf die Reise geschickt. War es zu Beginn noch einigermassen unübersichtlich, kristallisierte sich nach und nach heraus, wer in welchem Rennen lief. Tatsächlich formierte sich die vorgesehene Dreiergruppe, welche ich fast durchgehend bis Halbzeit anführte. Über Kies- und Fahrradwege liefen wir 5km in Richtung Neuchatel, bevor es in die kurze aber knackige Steigung via Serrieres in Richtung Auvernier ging. Konnten wir bis dato Zeiten um die 3:15min/km laufen, fiel das Tempo zwangsläufig etwas zusammen. Kein Grund zur Sorge, denn der schnellere Abschnitt folgte ja erst noch. Kurz vor dem Durchlaufen der 10km-Marke im Stadion von Colombier, musste Bailly Basin reissen lassen und so war ich mit Grisel alleine an der Spitze. Soweit bekam ich von meinem Körper gute Signale zurück und lag von der Intensität her genau dort wo ich sein wollte. Ganz im Sinne von «ich kontrolliere das Rennen und nicht umgekehrt».
Es sieht schlimmer aus als es war: Beim Durchlaufen der 10km-Marke fühlte ich mich noch ganz passabel. Trotzdem konnte ich Antoine Grisel danach nicht mehr folgen.
Bei 10km riskierte ich kurz einen Blick auf die Anzeige und stellte fest, dass Gefühl und Tempo übereinstimmten. Wir durchquerten die Marke bei 32.55min/km und lagen damit auf Kurs für eine sehr schnelle Zeit. Nun übernahm mein Mitstreiter die Führung und erhöhte plötzlich das Tempo. Beim Vorbeilaufen bei Nadia beim Stadionausgang hechelte ich ihr genau das zu: «Jetzt drückt er den Stempel runter.»
Ich war kurz unsicher, ob ich langsamer wurde oder er schneller. Da meine Kilometerzeiten jedoch weiterhin konstant unter 3:20min/km waren, stellte ich schnell fest was es geschlagen hatte. Ich versuchte bis km 12 den Anschluss zu halten, musste dann aber einsehen, dass dies ein Himmelfahrtskommando wäre. So holte er konstant um die 1-2 Sekunden pro Kilometer heraus und ich musste ihn zwangsläufig ziehen lassen. Beim Wendepunkt bei km 15 sah ich weiterhin keine Schwäche bei ihm, dafür wurde auch die Lücke nach hinten grösser. Beim Zurücklaufen kreuzten wir nun die entgegenkommenden Läufer und ich stellte erfreut fest, dass einige meiner Leute, allen voran Tobias Kilchenmann und Enea Figini, sich ziemlich weit vorne im Feld tummelten. So gab es immer auch den einen oder anderen Zuruf auf die gegenüberliegende Seite. Generell war es «outstanding» wie viel Support wir Spitzenläufer von den anderen Athleten erhielten. Bei km 17 machte die Strecke nochmals einen Bogen weg von der Hauptachse und so war man plötzlich alleine mit sich und seinen Gedanken. In dem Moment nahm ich meinen Atem, den Herzschlag und auch die aufkommende Erschöpfung umso deutlicher wahr. So spürte ich, wie ich mich nun langsam aber sicher in den altbekannten, roten Bereich hineinlief. Vorne sah ich immer wieder das weisse Trikot von Grisel aufblitzen um es dann hinter der nächsten Kurve wieder verschwinden zu sehen. Mehr als einmal sagte ich mir, dass dort vorne die Sub70-Marke definitiv save gewesen wäre aber nun kämpfte ich 100m dahinter alleine gegen die Zeit.
Endlich sah ich von Weitem das Stadion auftauchen und so mobilisierte ich nun alles was irgendwie ging. Bei km 20 machte ich im Nebel meiner Gedanken kurz die Hochrechnung und wusste nun, dass 1:10Std. fallen würden. Trotzdem musste ich noch ordentlich die Zähne zusammenbeissen um die Runde im Stadion zurückzulegen. Mit 1:09:38 Stunden gelang mir aber das angestrebte Ziel und so war es mir herzlich egal, dass ich nun halt auf Position 2 einlief. Gegen den starken Neuenburger, der in 1:09:09 auf diesem Kurs eine Fabelzeit lief, war schlicht kein Kraut gewachsen heute.
Duathletin Ramona Rieder, welche ich seit diesem Winter coachen darf, lief bei den Frauen ebenfalls auf den 2. Rang und unterbot ihre Bestzeit um eine Minute. Zwei Duathleten mit zwei 2. Plätzen – das passt doch! 😉
Bösingerlauf
Nur eine Woche später wollte ich einen weiteren Start absolvieren. Wie im Jahr zuvor stand der Bösingerlauf auf dem Programm. Da es die 50jährige Ausgabe der Veranstaltung war, wollte ich mir den Lauf nicht entgehen lassen. Als Vorjahressieger und Streckenrekordhalter wollte ich natürlich versuchen, auch dieses Jahr wieder eine ordentliche Leistung zu zeigen.
Da der Lauf nicht oberste Priorität hatte, hielt ich unter der Woche das Bike- und Schwimmvolumen hoch und schonte mich nicht mit Einheiten. Im Wissen darum, dass in einem Monat die Duathlon- und Triathlonsaison losgeht, wollte ich nicht auf eine Trainingswoche verzichten. Der Halbmarathon steckte mir jedoch noch ziemlich stark in den Knochen und so fühlten sich die zwei kurzen Läufe unter der Woche himmeltraurig an.
Ob es mit dem Jubiläum des Laufes oder der erneuten 3km-Sprintwertung (die schnellste Zeit nach 3km wurde mit CHF 250.- prämiert) zu tun hatte, sei dahingestellt. Mit Jérémy Schouwey, Pascal Berset oder Arnaud Monney waren auf jeden Fall absolute Topshots aus der Romandie am Start. Abgerundet wurde das sehr starke Feld mit Mekonen Tefera, Martin Zürcher, Alec Philippona und Wout Driever.
Mir war von Beginn weg klar, dass der Streckenrekord heute fallen würde. Trotzdem ging ich einigermassen gelassen an die Sache heran. Als Duathlet und damit «Teilzeitläufer» sah ich mich heute eher nicht in der Favoritenrolle.
Mitten im Dorf Bösingen war Start und Ziel. Unterdessen ist er einer meiner Lieblingsläufe.
Auf Los gings los und das ganze Feld bretterte durch das Dorf hinab. Nach einer kleinen Gegensteigung ging es runter in Richtung Saane. Sofort bildete sich vorne eine Gruppe mit den besagten Protagonisten. Da abwärts erfahrungsgemäss immer sehr viele Athleten problemlos mitlaufen können, wollte ich erst einmal abwarten, was unten in der Fläche geschieht.
Nach etwa 1.5km zog der Mittelstreckenspezialist Monney das Tempo so absurd an, dass ich nicht mal im Traum daran dachte mitzulaufen. «Entweder geht der voll auf die Sprintwertung oder er ist einfach viel besser als ich», dachte ich mir. Tefera versuchte sich dranzuhängen, gab es aber auch ziemlich bald auf.
Auf der anderen Seite der Saane angekommen, sortierte sich das Ganze dann etwas. Ich hatte, ohne es zu wollen, bereits ein paar Meter nach hinten herausgelaufen und lag, nachdem ich Tefera eingeholt hatte, bei der Sprintwertung auf Rang 2. Obwohl ich wider Erwartens sehr gute Beine hatte, verabschiedete ich mich innerlich bereits vom Tagessieg, da Monney einen Vorsprung von ca. 100m herausgelaufen hatte.
Plötzlich merkte ich jedoch, dass ich näher und näher kam und ehe ich mich versah, lag ich nach 4km hinter dem Führungsfahrrad in Front des Rennens. Er war also tatsächlich auf die Sprintwertung gelaufen und büsste nun für den Effort. Der schmierige Untergrund auf den Feldwegen forderte höchste Konzentration und so war es zeitweise eine Art ZickZack-Lauf um die Pfützen. Ebenfalls hörte ich hinter mir die anderen Athleten nicht mehr, was mir ein trügerisches Gefühl der Sicherheit gab. Ich konnte mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich diesen Jungs so ohne weiteres davonlaufen konnte. Nachdem ich mich beim Verpflegungsposten hinten bei der Schiffenensee-Staumauer kurz umdrehte, wusste ich jedoch was es geschlagen hatte. Eine 5er-Gruppe, angeführt von Schouwey, sass mir im Nacken und hatte vielleicht 10 Sekunden Rückstand.
Auf dem langen Rückweg der Saane entlang, versuchte ich die Pace hochzuhalten und gleichzeitig den mühsamen und kalten Gegenwind auszublenden. Nach langen 3km galt es die Fussgängerbrücke ein zweites Mal zu überqueren, bevor es dann in den happigen Schlussanstieg ins Dorf hoch ging. Ein Blick zurück verriet mir, dass nun das Gespann Schouwey/Berset immer noch diese 10 Sekunden hinter mir lief. Ich spürte nun, wie meine Kräfte schwanden und sich gleichzeitig eine Art Verzweiflung breit machte. Habe ich mich tatsächlich verkalkuliert im Pacing? So versuchte ich so ökonomisch es irgendwie ging über das letzte Flachstück zu schleichen und rannte dann in die 1km lange Steigung hinein. Bergauf täuscht natürlich die Perspektive etwas, aber Schouwey drückte wie ein Wahnsinniger auf das Tempo und ich hatte das Gefühl, dass er mir direkt an den Füssen lief.
Oben sah ich die rettende Fläche, bevor es dann leicht abfallend wurde und man schlussendlich noch ca. 400m durch das Dorf hinauflaufen musste. Ich würde behaupten, dass ich hier sogar noch mehr reinwarf, als vor Wochenfrist in Cortaillod. Erst 200m vor dem Ziel war ich mir meiner Sache sicher. Völlig am Ende bog ich um die letzte Kurve in Richtung Ziel ein. Ich blickte auf die Uhr und staunte nicht schlecht: Ich passierte genau bei 32:00 Minuten und war damit um fast 40 Sekunden schneller als noch im letzten Jahr. Wo um alles in der Welt habe ich diese Zeit herausgelaufen?!
Wie schon vor Wochenfrist gab es das gleiche Bild, dieses Mal einfach auf Rang 1. Rahel Meili, welche ich seit rund zwei Jahren betreue, gewann souverän bei den Frauen.
Die Laufform passt…
…oder ist sie bereits fast zu gut? Auf jeden Fall nehme ich die Bestätigung mit, dass die eigene Trainingsstruktur bis dato sehr gut funktioniert hat. Es gilt nun in den kommenden vier Wochen den Umfang noch etwas hochzuschrauben, bevor dann auf Mallorca mit dem Triathlon Portocolom der Saisonauftakt in die Multisport-Saison wartet.
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