Triathlon 111 Portocolom

Triathlon 111 Portocolom

Ein Kreis schliesst sich

Portocolom ist ein Ort des Zurückkommens und in irgendeiner Form schliesst sich damit auch ein Kreis. Vor vier Jahren haben wir hier das erste Mal überwintert und ich wollte seinerzeit spontan am internationalen Triathlon in Portocolom teilnehmen, da der Powerman Mallorca abgesagt wurde. Da er aber bereits ausverkauft war, fiel die Idee ins Wasser.

Jetzt, vier Jahre später und in meiner letzten Saison, stand der Wettkampf ganz oben auf meiner Bucketlist. Deswegen freute ich mich entsprechend auf den Einstieg in die Multisportsaison.

Aus Planung wird Improvisation…

Vorab hatte ich aber mit ganz anderen Sachen zu kämpfen. Konnte ich läuferisch einen super Saisoneinstieg verbuchen, war nach dem Bösingerlauf kurzerhand mal Schluss mit Lustig. Ich landete mit einer Grippe im Bett und meine Planung war damit auf gut deutsch am Arsch. Wollte ich doch die Basiskilometer auf dem Rad ins Renntempo umbauen und meine gute Laufform triathlonspezifisch entwickeln. Beides fiel ins Wasser und stattdessen musste ich mich in Geduld üben und herausfinden, wann der richtige Zeitpunkt war, um überhaupt in irgendeiner Form mit dem Training wieder zu beginnen.

Zugegeben eine ziemlich schwierige und nervenzerrende Angelegenheit, welche mich schlussendlich auch noch in die Arztpraxis führte, da die Symptome so hartnäckig waren. Viel mehr als Basis war nicht drin, denn bei höheren Intensitäten ging mein Körper auf Barrikade. So standen wetter- und krankheitsbedingt im gesamten Februar und März keine Handvoll an Radfahrten über 3 Stunden zu Buche.

Erst 10 Tage vor dem Wettkampf konnte ich mit gutem Gewissen sagen, dass ich wieder bei 100% meiner Kräfte war. Es galt also, mit dem zu arbeiten, was vorhanden war.

Vom Winter in den Sommer: Das Schwimmen machte mir im Vorfeld Kopfzerbrechen. Ich klimatisierte mich jedoch mit dem
10 Grad kalten Murtensee bestens für das Mittelmeer an.

…und aus Improvisation ein geiles Rennen!

Wir hatten das Glück, die Zeit auf Mallorca mit unseren Freunden aus Deutschland verbringen zu dürfen. Dominik hat mich vor einem Jahr in Alsdorf an der Duathlon-WM unterstützt und ich ihn beim Ironman Thun. Umso mehr freute es mich, dass wir das Rennen gemeinsam bestreiten würden.

So waren wir bereits am Dienstag auf der Insel und hatten so genügend Zeit, die Strecke kennenzulernen und uns mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Gerade das spezielle Format von Portocolom fand ich sehr interessant: 1km Schwimmen, 100km Rad und 10km laufen, deswegen auch Triathlon 111 genannt. Die etwas adaptierte Mitteldistanz bot einem durchschnittlichen Schwimmer wie mir, die Möglichkeit auf ein gutes Resultat in einem starken Feld. So waren einige Profis dabei wie der Deutsche Lukas Schnödewind oder Top-AK-Athleten wie der Spanier Jaume Florit Orell oder der routinierte Finne Jarmo Rissanen.

Die Vorfreude auf das Rennen war gross. Umso cooler, dass ich das Rennen mit Dominik bestreiten durfte.

Ich spürte, wie die Form von Tag zu Tag besser wurde und plötzlich vergass ich, wie schwierig die letzten Wochen eigentlich verlaufen waren. Ganz ohne Sorgen ging es dann doch nicht ganz: War es unter der Woche strahlend schön, sah es für Sonntag mit Regen und Sturmböen eher bescheiden aus – eigentlich weit weg von Triathlonwetter. So war dann auch das Herzstück der Strecke, der San Salvador, aus Sicherheitsgründen völlig zu Recht aus zum Programm gestrichen worden. Insofern wartete ich bis zum Check-In am Samstagnachmittag mit dem definitiven Setup, entschied mich aber dann gegen das Scheibenrad. Ich sah den Vorteil mehr in einer kontrollierten Aeroposition anstelle einem unkontrollierten Aerotuning.

Der Morgen am Renntag präsentierte sich dann wie erwartet trüb und sehr windig. Allerdings war es nicht kalt, was ich bereits als grossen Gewinn erachtete. Verpflegung am Bike anbringen, Material checken und dann ging es auch schon ans Aufwärmen und Einschwimmen.

Der internationale Triathlon in Portocolom ist ein Geheimtipp im Wettkampfkalender.

Schwimmen, 1km

Bei unwirtlichen Bedingungen sprang ich um 8:45 Uhr ins Hafenbecken und arbeitete mich in den Flow hinein. Hatte ich in der Vergangenheit immer wieder mit aufkommender Panik zu kämpfen, ging es dieses Mal wie durch Butter. Die grossartige Unterstützung meiner Schwimmcoaching Dominique zahlte sich bereits früh in der Saison aus. Entgegen anderen Wettkämpfen konnte ich ein gutes Tempo anschlagen und verfiel nicht in eine passive Haltung. Je weiter draussen wir jedoch schwammen, umso schwieriger wurde das Ganze. Der Wellengang war sehr hoch und beim Zurückschwimmen war man im Prinzip blind. Als Bonus gab es dann auch noch ein paar unfreiwillige Schlucke an Salzwasser. Irgendwie ging es dann doch und ich stieg nach 15:30 aus dem Mittelmeer.

Die 15 Grad Wassertemperatur waren zwar kalt aber für einen Kilometer machbar.

Bike, 80km/900Hm

Ich erwischte einen passablen Wechsel und war im Kopf nun im Duathlon-Modus angekommen. Bereits im Vorfeld war klar, dass ich einfach drauflosballern werde. Null Strategie sondern einfach so schnell wie möglich von A nach B. Einen 10km-Lauf hintenraus würde man überleben.

Da ich die Position-Info meiner Frau nicht ganz verstanden hatte, war ich beim ersten Wendepunkt gespannt, was mich erwarten würde. Knapp 3min Rückstand auf den führenden Schnödewind und ca. 2min auf das Podest waren es schlussendlich nach den ersten 6km. Es war also alles möglich. Zudem kreuzte ich auch noch Dominik, welcher ein paar Ränge hinter mir fuhr. Ein Zuruf in beide Richtungen, dann waren beide mit dem Kopf wieder im eigenen Rennen. Ich arbeitete mich im Gegenwind auf Platz 4 vor und fuhr dann in den gefährlichsten Abschnitt der Strecke hinein. Der rund 8km lange Abschnitt durch den engen und verwinkelten Weg in Richtung Hauptstrasse nach Felanitx war eine Knacknuss. Aufwärts ging das zwar noch gut aber an den ausgesetzten Stellen auf nassen Strassen war ich wie auf Eier unterwegs. Ich war gerade dabei, mich auf den 3. Rang zu schieben, als von hinten der Finne Rissanen angebraust kam, was mich zugegebenermaßen erstaunte. Ich wusste, dass er ein sehr starker Radfahrer ist, war aber überzeugt, mit meinen bis dato 320 Watt eher offensiv gefahren zu sein. Er schoss in der Abfahrt auf den engen, verwinkelten Strassen an mir vorbei und stürzte, quasi auf Ansage, nur eine Kurve weiter. Da ich sah, dass er bereits wieder stand und Leute vor Ort waren, fuhr ich weiter, ging nun aber noch vorsichtiger ans Werk. Auf der langen Gerade zurück nach Felanitx und Portocolom, hatte ich dann nebst Rissanen noch einen anderen Spanier hinter mir. Der Finne attackierte sogleich wieder und zog mir langsam davonzog. Nach der ersten Runde und damit 40km hatte ich nun einen Rückstand auf das Podest von ca. 40 Sekunden. Zudem sah ich, dass die Lücke auf den auf Platz 2 liegenden Spanier Orell kleiner geworden war.

Fahren wie auf Schmierseife. Die Bedingungen waren herausfordernd aber trotzdem im Rahmen.

Allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt den anderen „Kollegen“ immer noch am Hinterrad. Teils fuhr er nun 2 Meter schräg neben mir und ging auch auf die Gegenfahrbahn. Nachdem sich dieses Spiel nun über mehrere Kilometer so wiederholte, platzte mir dann der Kragen und ich schrie ihn an, was er da eigentlich veranstalte. Ich bekam irgendeine unverständliche Antwort zurück und schwor mir, ihn nun endgültig abzuschütteln. Glücklicherweise zog ich nun in den Aufwärtspassagen definitiv davon und war dann für lange Zeit alleine unterwegs.

Ein Schlüsselmoment war dann bei km 70, als ich weit vorne sah, dass Rissanen nun auf der 2. Position und Orell auf der 3. Position fuhr. Schon nur, der Umstand, dass ich die Gegner wieder sah, löste neue Kräfte aus. Ich drückte kontrolliert das, was noch ging und fuhr über diese welligen Strassen der Wechselzone entgegen. Ein Blick beim letzten Wendepunkt auf meine Gegner verriet mir, dass diese alle auch am Limit fuhren.

Mit über 60km/h zog ich in der Abfahrt in Richtung Hafen die Schuhe aus und bereitet mich auf den Wechsel vor.

Am Ende durfte ich mich über die schnellste Laufzeit und den 3. Rang freuen.

Run, 10km/90Hm

Auf der anderen Seite des Gitters an meinem Wechselplatz standen Nadia und Dominiks Frau Anne, welche mich lautstark anfeuerten. Nadia gab mir die Rückstände durch: 1:30 auf Orell und 2:00 auf Rissanen.

Ich lief auf der welligen Strecke sehr hart an. Am Ende wollte ich mir nicht vorwerfen, nicht alles für den Podestplatz getan zu haben. Die schnellen Kilometerzeiten kamen beinahe von alleine allerdings machten meine Oberschenkel plötzlich total dicht. Bedingt durch das harte Radfahren und die spärlichen Koppelläufe verkrampften sich die Beine. Ich lief technisch so sauber es irgendwie ging und wusste aus Erfahrung, dass ich diese Verhärtung „rauslaufen“ konnte. Am Wendepunkt beim Leuchtturm nach 2.5km sah ich, dass ich den Rückstand auf das Podest trotzdem mehr als halbiert hatte. Weiterhin gelang es mir flach unter 3:30min/km zu laufen und auch die Krämpfe lösten sich endlich. So überholte ich den Finnen bei km4 wieder und nahm nun Orell ins Visier. Schnödewind lief zu dem Zeitpunkt bereits ungefährdet seinem Sieg entgegen.

Die Laufstrecke war am Ende dann wohl etwas zu kurz oder ich zu langsam: Auf jeden Fall kam ich nicht mehr ganz hin und es fehlten am Ende 30 Sekunden auf den Silberplatz. Allerdings war der 3. Rang nach den vergangenen Wochen für mich wie ein Sieg.

Als Duathlet konnte ich mich zum zweiten Mal in meiner Laufbahn auf ein internationales Triathlonpodest kämpfen.

Klar, es war nicht das absolute Spitzenfeld am Start, trotzdem kann ich meine eigene Leistung gut genug einordnen, um zu wissen, dass dies für den Saisonauftakt wirklich sehr solide war. Sei es der Fortschritt beim Schwimmen, die bereits hohen Wattzahlen über die 80km oder der schnelle 10er am Ende. All das zeigt mir, dass ich die schwierigen letzten Wochen trotz allem gut gemeistert habe und eine passable Form aufbauen konnte. Es folgen nun (endlich) ein paar umfangreichere Wochen bevor es dann an die nächsten Wettkämpfe geht.

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